© COPYRIGHT DIETER HAGER 2019-2020 Letzte Aktualisierung 31. August 2020
konzeptionelle KOMPETENZ
Buchprojekt

Fichtelgebirge - Ein Bilderbuch für Heimatsuchende

Heimat ist klassischerweise ein Ort, an dem die Dinge uns etwas zu sagen haben und gewissermaßen zu uns sprechen: der Wald,

der Bach, das Haus, der Berg etc. Sie sprechen insofern, als sie einen Widerhall in unserer Lebenserinnerung wachrufen und uns

an diejenigen Menschen denken lassen, mit denen uns eine gemeinsame Geschichte verbindet. Menschen und die Dinge in un-

serer Heimat sind uns nicht gleichgültig, sondern wir nehmen Anteil an ihnen und fühlen uns für Sie verantwortlich.

Globalisierung In seinem 2017 erschienenen Werk „The Road to Somewhere: The Populist Revolt and the Future of Politics“ beschreibt David Goodhart die spätmoderne Welt als Konflikt zwischen zwei sozialen Gruppen: Auf der einen Seite stehen die Somewheres, die Irgendwo-Menschen. Sie sind lokal oder regional ausgerichtet, oft weniger gebil- det und finanziell schlechter situiert. Veränderungen in ihrem Umfeld - insbesondere Zuwanderung - empfinden sie grundsätz- lich als störend. Im Extremfall neigen sie populistischen Parteien zu. Auf der anderen Seite befinden sich die Anywheres, die Überall-Menschen. Sie haben in der Regel höhere Einkommen, sind mobiler, in ihrem Selbstverständnis nicht lokal gebunden und offen für Veränderungen. Zuwanderung begreifen sie eher als kulturelle Bereicherung oder als ökonomischen Vorteil. Währen sich Anywheres häufig in der Lufthansa Lounge oder im ICE mehr „zu Hause“ fühlen als an Ihrem Wohnsitz (vgl. Hartmut Rosa: Heimat im Zeitalter der Globalisierung. In: Der Blaue Reiter. Journal für Philosophie, Ausgabe 23/2007), wird das Verhältnis der Somewheres zu ihrer Heimat durch wirtschaftliche Umbrüche, weltweite Krisen und die Beschleunigung von Transport, Kommunikation, Verkehr meist gegen deren Willen beschädigt.
Heimat hat uns etwas zu sagen. Sie ist einmalig, unspektakulär und unverfügbar.

Moderner Lebensstil

So unterschiedlich die Einstellung von Anywheres und Somewheres zu Politik, Bildung und Wirtschaft einerseits ist, so einig sind sie sich andererseits in der modernen Maxime, das Ressourcenmaximierung den Schlüssel zu Erfolg und Lebensglück darstellt. Und so wenig sind beide Gruppen häufig an den ökologischen Folgeschäden einer wachstumsfixierten Wirtschaftsweise inte- ressiert. Die Anywheres können sich diesen Folgen durch Einkommen und Mobilität entziehen. Die Somewheres ziehen ein mehr an Ressourcen einem mehr an Umweltqualität vor. Aber durch die äußerste Erweiterung der individuellen Konsum-, Reise- und Freizeitmöglichkeiten ist nicht nur die Naturzerstö- rung weiter beschleunigt worden. Die extrem vergrößte Weltreichweite jedes Einzelnen in den entwickelten Ländern hat auch kein neues Gefühl von Sicherheit und Einklang mit dem Leben hervorgebracht. Empfindungen der Entfremdung sind hingegen oft das Ergebnis des Versuchs, durch neue Techniken und Erlebnisangebote in Resonanz mit der Welt zu gelangen. Der Zugang zu Heimat, der Sinn für die Besonderheit einer Gegend, mit der man auf einer Wellenlänge sein möchte, ist deshalb bei vielen nicht mehr vorhanden. Während der moderne Mensch Heimat lange Zeit – manchmal zu Recht – als rückständig und einengend empfunden hat, erzeu- gen Globalisierung und moderner Lebensstil erneut eine Sehnsucht nach Verbundenheit und Zugehörigkeit zu einer eigenstän- digen und doch antwortenden Welt. Ein emotionales Bedürfnis, das bereits für die Romantik kennzeichnend war. Die Corona- krise verstärkt diese Neuorientierung - bei Some- und Anywheres. Wie eine neue und greifbare Idee von Heimat aussehen könnte, die sowohl für die Gefährungen einer Region sensibilisiert, als auch echtes Resonanzerleben ermöglicht, ist deshalb die Fragestellung diese Buchprojekts von Dieter Hager. Er hat dafür das Fichtelgebirge als seine Heimatregion ausgewählt.
Flughafenlounge - Heimat für kosmopolitische „Anywheres“
Mountainbike mit Elektroantrieb: Nicht selten aggressive Simulation von Sportlichkeit auf Kosten der Natur und zu Lasten echter Resonanzerfahrung

Ein historischer und ästhetischer Zugang zu Heimat

Heimat, das sind neben den sozialen Beziehungen vor allem die Natur und die Geschichte eines bestimmten geografischen Rau-

mes. Die Bewahrung und der Zugang zu diesen Grundlagen beginnt damit, dass wir sie anders wahrnehmen. Nicht als Ressour-

ce, die wir ausbeuten können, sondern als Wesenheiten mit eigenem Recht, eigener Würde und eigener Stimme.

Erst muss die Stimme der Heimat vernommen werden bevor heimatliches Engagement wachgerufen kann. Damit eingetretene

Verluste und künftige Gefahren spürbar werden, braucht es ein starkes Gefühl für den unwiderbringlichen Eigenwert einer kon-

kreten Heimat.

Für den geplanten Bildband wird deshalb ein historischer und ein ästhetischer Zugang gewählt. Im Unterschied zu klassischen

Reiseführern und Geografiebildbänden geht es nicht um touristische Information oder sachliche Bilddokumentation. Vielmehr

wird die Geschichte des Fichtelgebirges mit einem konzeptionell-minimalistischen Bildstil anschaulich nacherzählt.

Blaue Stunde am Nageler See

Die Stimme der Natur drängt sich lange nicht auf. Es kommt darauf an, sie rechtzei-

tig wahrzunehmen. Das Fotoprojekt zeigt deshalb Landschaften, Tiere und Pflanzen

des Fichtelgebirges in ästhetisch einzigartiger Form -

unverfälscht durch Bildbearbeitung.

Jean Paul - Der Dichter und seine „lichte Stadt“

Als vernünftig werden hier solche Projekte und Persönlichkeiten verstanden, die

sich in ihrem Wirken als Politiker, Unternehmer, Dichter, Künstler, Forscher,

Philosophen oder Wissenschaftler an der Idee der Synergie orientieren oder orien-

tiert haben. Ein Beispiel hierfür ist der bürgerliche Landschaftsgarten Luisenburg,

der an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert entstanden ist. In Jean Paul fand er

einen seiner prominentesten Verehrer.