Lernen

Die lernpsychologische Dimension der Konzeptionellen Kompetenz Hier geht es nicht um einen Bildungskanon, der als verbindlich gelten soll, sondern um die methodische Fähigkeit, sich Bildungsinhalte selbständig zu eigen zu machen. Hierzu wird auf das Konzept des „Bedeutungslernens“ (Meaningful Lear- ning) im Anschluss an den us-amerikanischen Lerntheoretiker David Paul Ausubel zurückgegriffen. Beim Bedeutungslernen - als Gegenstück zum Auswendiglernen - verknüpft ein Mensch neues Wissen mit bestehenden Kenntnissen. Dabei nimmt er eine hierarchische Subsumtion der unbekannten Information unter die ihm geläufigen Kategorien vor. Nach Ausubel ist das bestehende Kategoriensystem bzw. die kognitive Struktur des Lernenden - also sein aktuelles Wissen, seine Konzepte, Theorien und die ihm be- kannten Fakten - der wichtigste Faktor, der das Lernen beeinflusst. Für sinnvolles Lernen stehen vier Arten des Einordnung von neuem in bekanntes Wissen zur Verfügung: Derivative Subsumtion, korrelative Subsumtion, Übergeord- netes Lernen und Kombinatorisches Lernen. Es handelt sich um eine selbstorgani- sierende, konstruktivistische und kritische Form des Lernens. Vgl.: Joseph D. Novak: Learning, Creating, and Using Knowledge. Routledge 2010

Derivative Einordnung

Dies beschreibt die Situation, in der die neuen Informationen, die Sie lernen, ein Beispiel für ein bereits erworbenes Konzept sind. BEISPIEL: Ihr Konzept von Vogel ist, dass er Federn und Schnabel hat und Eier legt. Jetzt haben Sie einen blauen Eichelhäher gesehen, eine neue Art von Vogel, der Ihrem Konzept des Vogels entspricht. Ihr neues Wissen über Blauhäher ist mit Ihrem existierenden Konzept des Vogels im Einklang.

Korrelative Subsumtion

Dies beschreibt die Aufnahme neuer Informationen durch Änderung oder Erwei- terung des Konzepts. BEISPIEL: Sie habent eine neue Art von Vogel gesehen, nämlich den Strauß. Der Strauß kann nicht fliegen, hat einen großen Körper und lange starke Beine. Um diese neuen Informationen aufzunehmen, müssen Sie das Konzept eines Straußes zu Ihrem bisherigen Konzept des Vogels hinzufügen. Sie erweitern das Konzept, indem Sie die Möglichkeit einbeziehen, dass der Vogel groß ist und lange starke Beine hat.

Übergeordnetes Lernen

Übergeordnetes Lernen liegt vor, wenn man viele Beispiele des Konzepts kannte, aber das Konzept selbst nicht beherrschte, bis es einem beigebracht wurde. BEISPIEL: Sie kannten Mango, Dalandan, Guave usw., wussten aber nicht, dass dies Beispiele für das Konzept Früchte sind.

Kombinatorisches Lernen

Es beschreibt einen Prozess, bei dem die neue Idee von einer anderen Idee abgelei- tet wird, die weder höher noch oder niedriger in der Hierarchie steht, sondern auf der gleichen Ebene liegt. BEISPIEL: Umzu verstehen, wie Pflanzen "atmen", könnten Sie dies mit ihrem zuvor erworbenen Wissen über die menschlichen Atemwege in Verbindung bringen, wo der Mensch Sauerstoff einatmet und Kohlendioxid ausatmet. Beide Vorgänge weißen Parellelen auf und sind deshalb gleichermaßen mit dem Be- griff der Atmung belegt.
© COPYRIGHT DIETER HAGER 2021 Letzte Aktualisierung 10. Novemder 2021
Konzeptionelle Kompetenz