Synergie

Die ideelle Dimension der Konzeptionellen Kompetenz

Synergie bedeutet, dass das Ganze mehr ist, als die Summe seiner Teile. Auf der historischen Ebene und im zwischenmensch- lichen Bereich ist es die höhere Einheit, die Gegensätze vereint und Differenzen kreativ ausgleicht. Synergie liegt jenseits eines (faulen) Kompromisses, der durch einen Machtkampf ausgehandelt wurde. Synergie entsteht, wenn man gemeinsam eine dritte Alternative entdeckt, die für beide Seiten besser ist, als die vorab vorhan- denen individuellen Ausgangspositionen. Ein Verhältnis von „Herr und Knecht“, wie es der deutsche Philosoph G.F.W. Hegel in seiner Phänomenologie beschrieben hat, wird dadurch hinfällig. Synergie schafft ein „Wir“, in dem auf Augenhöhe Gewinn-Gewinn-Lösungen entwickelt werden. Der in Stuttgart lehrende Philo- soph und Autor eines fulminanten Hegelbuches Sebastian Ostritsch beschreibt dieses Wir wie folgt: „Wenn zwei Menschen im Bewusstsein ihrer gemeinsamen Zugehörigkeit zu einem Wir aufeinandertreffen, dann kommt es gerade nicht zu einem Kampf auf Leben und Tod und auch nicht zu einer nur einseitigen, asymmetrischen Anerkennung. Sobald zwei Individuen erkennen, dass sie zum selben Wir gehören, entsteht vielmehr ein wechselseitiges Anerkennungsverhältnis zwischen ihnen“ (Sebastian Ostritsch: Hegel. Der Weltphilosoph. Propyläen 2020, S. 113). Beispiele für ein „Wir“ in diesem Sinne sind der „Mannschaftsgeist“ im Sport oder das harmonische Zusammenwirken eines (improvisierenden) Orchesters.
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Das Resonanzkonzept von Hartmut Rosa

Mit seinem Konzept der „Resonanz“ hat der Jenaer Soziologe Hartmut Rosa eine umfassende Analyse- und Beurteilungskategorie entwickelt, die eine starke Entsprechung zum hier thematisierten Synergieprinzip aufweist. Die Situation in unserer spätmoder- nen Gesellschaft trifft er damit m.E. auf den Punkt: „Was mir vorschwebt, ist ein Verhältnis zu Natur und Geschichte, zu den politischen Institutionen und zu den Mitmenschen und am Ende auch ein Selbstverhältnis, das eine wechselseitige Beziehung ist. Das heißt, weder sind diese natürlichen und sozialen Gegenüber blind zu akzeptieren, noch können wir sie einfach autonom beherrschen. Vielmehr lässt sich das, was dabei geschieht, als Antwortgeschehen zwischen den beiden Seiten begreifen. Eine solche Beziehung fasse ich mit dem Begriff der Resonanz. Sie bedeutet die Fähigkeit und Erfahrung eines "Berührtwerdens" durch ein Anderes, ohne fremdbestimmt zu werden. Sie bedeutet die Fähigkeit und Erfahrung, dieses Andere selbst zu berühren oder zu er- reichen, ohne über es zu verfügen. Sie bedeutet eine wechselseitige Anverwandlung, in der unentfremdete Lebendigkeit erfahren wird. Und sie ist unverfügbar, denn sie lässt sich nicht erzwingen und ist ergebnisoffen. Ein Weltverhältnis der Resonanz zu verwirklichen könnte als regulative Gemeinwohlidee dienen und auf diese Weise einen Kompass durch die Umbrüche unserer Zeit liefern“ (Hartmut Rosa: Ohnmacht. Was muss sich ändern? Es herrscht rasender Stillstand. Unser Verhältnis zur Welt ist versteinert. DIE ZEIT Nr. 29/2019).

Stephen Covey und die 3. Alternative

Die praktische Frage, wie Synergie in Familie, Beruf, Bildungswesen, Rechtssystem und Gesellschaft verwirklicht werden kann, beantwortet höchst profund Stephen Covey in seinem letzten Buch „Die 3. Alternative. So lösen wir die schwierigsten Probleme des Lebens“. Gabal 2012).
konzeptionelle KOMPETENZ

Der Synergiekreis